Moin moin,
Frueh am morgen sitz ich hier , um mal den Laptop zu ergattern und eine Rundmail zu schreiben. Der ist gerade sehr beliebt, da all fleissig am Weihnachtsmail schreiben sind. Zwar haben wir kein Internet im Haus, wir koennen die Mails ja aufn stick ins i-cafe transportieren. Ja lange hab ich nichts von mir hoeren lassen... Hier ist alles beim alten aber auch immer wieder beim Neuen. Ich kann wirklich feststellen, dass es gerade in einer so fremden Kultur sehr lohnenswert ist fuer eine laengere Zeit an einem Ort zu bleiben, da man erst dann wirklich die einzelnen Aspekte kennen lernt.
Ich wuensch erst ma allen eine schoene Weihnachtszeit... geniesst den Gluehwein und den weihnachtsmarkt, der heir von allen schwer vermisst wird. Ich verbringe Weihnachten diesmal auf eine etwas andere Art: am Strand in der Hitze. Aber auch hier versuchen die Leute eine weihnachtliche Stimmung zu erwirken, in dem sie furchtbar blinkende und singende Plastikweihnachtsbaeume aufstellen.. Wir haben immerhin einen Adventskranz aus Palmenblaettern und Kokosschalen erstellt (haelt sich leider nicht so gut wie Tanne...), haben einen Adventskalender von dem Till (einem freiwilligen) bekommen und wichteln alle zusammen mit noch ein paar anderen aus dem Dorf.
Mein Alltag hat sich hier etwas gefuellt.... hatte zuviel Ruhe. Da musste was getan werden. Wir machen jetzt jeden Dienstag eine Aktion fuer die Kinder im Dorf, wie zum Beispiel eine Olympiade in der Sporthalle, Weihnachtsmaennerbasteln, Filmnachmittag und naechste Woche Plaetzchen backen. Dafuer heisst es immer durchs ganze Dorf laufen, Raum organisieren und die noetigen Geraete, die man brauch. Auch wenn die Organisation meist sehr chaotisch laeuft, da in Muisne nie jemand dort ist, wo er sein sollte, hat es am Ende immer sehr gut funktioniert. Seit dem letzten Dienstag sind wir auch dabei Jugendliche aus Muisne zum mithelfen zu engagieren, damit das Projekt erhalten bleibt, wenn wir weg sind. Viele Kinder haben hier einfach sehr wenig nachmittags zu tun, da es wenig Spielsachen, keine Spielplaetze,.. gibt und die Haeuser eh viel zu klein sind.
Ausserdem habe ich mit einer anderen ein Weihnachtstheaterprojekt gestartet mit meiner Klasse, da proben wir mehrere Nachmittage die Woche. Nebenbei haben wir noch verschiedene Bastelprojekte mit einzelnen Klassen durchgefuehrt. Und das Spielplatzprojekt ist immer noch am laufen... die Finanzmittelaquise stellt sich jedoch als etwas schwierig raus... bis jetzt kommen immer nur absagen. Naja Mitte Januar wollen wir anfangen zu bauen, also bis dahin ist noch Zeit.
Langsam bekommt man hier engere Kontakte. Ich lerne einige der Jungs aus dem Dorf besser kenne, nachdem sie endlich geschnallt haben, dass mehr als labern nicht geht. Die ersten Kontakte zu Frauen in meinem Alter enstehen und auch die Schueler lerne ich immer besser kennen. Dabei zeigt sich oft jedoch wirklich die noch ser rueckstaendige Seite Muisnes, die fuer mich manchmal schwer zu glauben ist.
Die Lebensgeschichten der Schueler meiner Klasse sind einfach so unglaublich rau, dass es fuer eine wohl behuetete Europaerin nicht zu fassen ist. Schlaege gegenueber Kindern und Frauen werden hier noch nicht mal gezaehlt, die gehoeren zu Normalitaet. Die Geschichten, die erzaehlenswert sind (aus den Augen der Kinder) fangen bei Mord an. Einen Vormittag in der Schule sollten die Kinder mal aus ihrem Leben erzaehlen. Die Geschichten, die da zu Tage kamen drehten sich um ermordete Familienmitglieder, verschwundene Geschwisterkinder,... schwer hier ueber Mail zu vermitteln, aber unglaublich. Die Frauen, die wir kennen lernen sind auch oft schon durchs Leben gebranntmarkt. So hat eine mit 13 und 16 ihre zwei Kinder bekommen und, da vor der neuen Konstitution diesen Jahres es verboten war fuer schwangere Frauen oder Frauen mit Kind weiter zur Schule zu gehen, eben ohne Abschluss. Die Maenner die hier wild rumschwaengernd durch die Gegend laufen muessen naetuerlich auch nicht Unterhalt oder Aehnliches zaehlen. Gewalt gehoert hier zum Leben dazu. Da viele nicht mal gelernt haben zu kommunizieren, ist das eben das Mittel Gefuehle auszudruecken.
Das ist jetzt nur wieder ein kleiner Einblick in die Dinge, die ich erlebe. Ansonsten warn wir vor ner Woche alle fuer ne Woche in Quito fuer die Fiestas die Quito. Da warn ne Woche lang Konzerte, Strassentaenze, kulturelle Veranstaltungen. Letztens warn wir alle auf nem Surfkontest mit lifebands abends im nachbarort. Der ist wohl naechstes Wochenende wieder. Am Wochenende wird weiterhin gut gefeiert. Und im Januar fahren Lukas und ich mit 3 Freiwilligen 2 Wochen in Jungle... juhuu!
Also allerliebste Gruesse an alle und eine wunderschoene Weihnachtszeit noch wuensch ich euch.
Hannita (hier ab und zu genannt ;-) )
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